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Karwoche


Palmsonntag
Am Palmsonntag feiern wir den umjubelten Einzug Jesu in Jerusalem. In der gleichen Feier gedenken wir auch der Passion Christi. Wie passt das zusammen? Der Palmsonntag konfrontiert uns mit einem ganz besonderen Problem in unserem Leben: Es ist die Brüchigkeit von Anerkennung, Ruhm und Ehre. Die ganze Leidensgeschichte Jesu ist ja ein Spiegel unserer eigenen Leidens- und Kränkungsgeschichten. Wir begegnen am Palmsonntag und in der Karwoche der Vergänglichkeit von Ruhm, Anklang und Erfolg. Es schaudert, mitzuerleben, wie schnell die Massen einen Menschen fallen lassen . Bei Jesus sind es vielfach dieselben Leute, die etliche Tage später, nachdem sie ihn bewundert und hochgejubelt haben, schreien: „Nieder mit ihm, „kreuzige ihn!“ Welche Wandlung, welcher Kontrast, welcher Widerspruch! Es hält nicht lange, wenn Massen klatschen, schreien und jubeln. Wehe, wenn der Erfolg ausbleibt und die Erwartungen nicht erfüllt werden. Vorbei der Ruhm, verschwunden das Vertrauen. Der Gefeierte ist schnell „weg vom Fenster“.
So wankend sind die Massen, leicht zu entflammen und leicht mitzureisen. Aber so entsteht keine echte Wandlung, keine echte Überzeugung. Hochgejubelt und fallen gelassen. So hat es Jesus erlebt. Welch eine Enttäuschung muss das für ihn gewesen sein, wenn plötzlich alle umschwenken und gegen ihn sind. Welche Not, wenn engste Freunde, die immer bei ihm waren, Jesus jetzt allein lassen, wenn sie schlafen und versagen, statt ihn zu stärken und zu unterstützen. Welche Erschütterung, wenn engste Freunde einen verleugnen und verraten, verkaufen und ausliefern. Genau dieser Bruch ist deutlich zu spüren in der Liturgie des Palmsonntags, wenn nach den frohen Jubelgesängen des Einzugs plötzlich die schrillen Töne der Passionsgeschichte zu hören sind. Aber ist es nicht auch oft so in unserem Leben ? Wie schnell können wir abstürzen vom Jubel zum Leid, von der Freude zur Trauer, vom Erfolg zum Kreuz. Aber wie mit dem Kreuz umgehen ? Was sagt und zeigt uns das Kreuz ? Die Liturgie der Karwoche und vor allem die des Karfreitags weist uns da einen Weg.

Sterben um zu Leben.
Jedem Leben geht der Tod voraus. Das erleben wir in der Natur, im Jahrskreis. Da gibt es immer wieder ein Vergehen und ein neues Erblühen. In der Tierwelt ist Leben nur möglich, wenn Pflanzen und andere Tiere zur Verfügung stehen. Auch der Mensch holt seine Nahrung aus der Pflanzen- und Tierwelt. Um aber leben zu können, ist der Mensch nicht nur auf körperliche Nahrung, sondern auch auf den Mitmenschen angewiesen. Das Kind braucht die Mutter, die Eltern. Es benötigt Nähe und Geborgenheit, Sicherheit und Halt, Fürsorge und Dasein, Angeschaut- und Angesprochenwerden, Zwiesprache und ein lächelndes Gesicht. Nur so kann das Kind ins Leben hineinwachsen. Das bedeutet aber oft ein Zurückstellen der eigenen Wünsche und Interessen. Es bedeutet Zeit, Opfer, Sorge, Hingabe an das Kind. Das Kind nimmt diese Liebe wie geistige Nahrung auf. Und so wird es fähig, selbst Liebe zu geben und sich hingeben zu können. Dies aber in Freiheit.
Jesus sagt einmal: „Eine größere Liebe hat niemand als wer sein Leben hingibt für seine Freunde.“ An anderer Stelle sagt er: „Wer sein Leben gewinnen will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“ Jesu Leben und Wirken zeigt uns diese Liebe, z.B. in der Art, wie er den Menschen begegnete, den Kleinen und Großen, den Suchenden und Fragenden, den Kranken und Ausgestoßenen, den Besessenen und Sündern. Jesus hat uns eine Liebe gezeigt, die aus dem Sterben neues Leben erstehen lässt.
Das heißt für uns: Je mehr der Egoismus stirbt, umso Liebe kann auferstehen, umso mehr siegt das Leben und stirbt der Tod. Genau dieses Geheimnis vom Sterben zum Leben zeigt uns die Feier der sogenannten „Drei Österlichen Tage“ vom Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und von Ostern.

Am Gründonnerstag erinnert die Kirche an das letzte Abendmahl. Jesus hat seinen Jüngern bei dieser Feier in der Fußwaschung ein Dienen gezeigt, das zunächst schwer verständlich ist. Aber er wollte damit den Jüngern und auch uns ein Beispiel geben, wie aus Demut und Hingabe Leben und Gemeinschaft erwachsen kann. Und dann zeigt er seine Hingabe noch in einem weiteren Zeichen. Er gibt sich selbst in Brot und Wein . „Das ist mein Leib, das ist mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird.“ Er gibt sich uns, damit wir Leben haben von seinem Leben und Gemeinschaft in Gemeinschaft mit ihm. Uns, seine Jüngerinnen und Jünger, bezieht er mit ein in diese Hingabe, wenn er den Auftrag erteilt: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“

Im Karfreitag nimmt seine Todeshingabe, aus der Leben erwächst, eine Form an, die nicht mehr zu überbieten ist. Er gibt sein Leben hin am Kreuz. Da geht er bis zum Äußersten. Aber sogar seine Verräter, Lästerer, Peiniger und diejenigen, die ihn vernichten wollen, bezieht er ein in sein Leben, indem er ihnen durch die Vergebung die Chance zur Umkehr gibt. „Vater, verzeih, denn sie wissen nicht, was sie tun. So ruft er sogar seine Gegner zum Leben. Auch wenn er sich selbst verlassen fühlt, auch wenn er am Kreuz in die äußerste Todesnot gerät, so hält er dennoch am Vater fest, weil er spürt, der Vater ist bei ihm auch im Sterben, ja, er kann auch noch im Tod neues Leben schenken.

Der Karsamstag erinnert uns an die Totenstille nach jedem Sterben. Es ist die Fassungslosigkeit, das Nicht-Verstehen, der Schmerz oder die Trauer nach jedem Scheitern und Verlust. Dies gilt es auszuhalten. Im Winter, in der Kälte, im Dunkel, im Grab, im scheinbaren Tod kann Verwandlung geschehen, kann Neues keimen und wachsen, kann das Wunder geschehen, dass Totes sich wandelt zum Leben, zur Auferstehung. Dieser rote Faden vom Tod zum Leben zieht sich auch durch die Feier der Osternacht und des Ostersonntags.

In der Osternacht erfahren wir in den Lesungen, dass Gott nicht den Tod will, sondern das er den Menschen zum Leben gerufen hat.
- 1.Lesung Gen : Vom Schöpfergott, der den Menschen als sein Abbild geschaffen hat und ihm die Verantwortung für die Schöpfung und für das Leben anvertraut hat.
- 2.Lesung aus dem Buch Genesis: Von der neuen Erfahrung Abrahams mit seinen Gott, der ihm aufgrund seines Gehorsams nicht den Sohn nimmt, sondern ihn von der starken Bindung an den Sohn befreit und ihm dadurch den Segen, die Fülle des Lebens und die Zukunft zuspricht.
- 3.Lesung –Aus dem Buch Exodus: Gott bereit das geknechtete Volk Israel aus dem tödlichen Zugriff der Ägypter.
- 4.Lesung –Aus dem Buch Jesaja: Gott verheißt neu seine ewige Treue, sein Erbarmen, die Fülle seiner Gnade und seines Lebens.
- 5.Lesung – Aus dem Buch Jesaja: Gott erneuert sein Angebot, ja er bittet, ihn doch zu suchen. Er will uns alles zum Leben geben und alles, was uns wirklich sättigt, er will uns Nähe und Geborgenheit, Ruhe und Stärke, vor allem aber sein Wort anbieten.
- 6.Lesung Aus dem Buch Baruch: Gott hält seinem Volk den Spiegel vor und hofft auf Einsicht und Umkehr. Nur bei ihm den wahren Gott, bei seinem Gesetz, werden wir das Leben finden.
- 7.Lesung – Aus dem Buch Ezechiel: Gott will sein Volk trotz aller Untreue und aller Zerstreutheit sammeln, reinigen und erneut heiligen. Er will ihnen ein neues Herz und einen neuen Geist schenken. Er will es sammeln und ihm eine neue Zukunft geben. Er wirbt mit den Worten:“ Ihr werdet mein Volk sein und ich werde euer Gott sein“.
- 8.Lesung aus dem Römerbrief:. Der Glaubende hat durch Christus die Macht des Todes gebrochen. Er hat die Undurchschaubarkeit der Sünde durchbrochen, die Verstickung in die Dinge dieser Welt der, er kann endgültig aus diesem Teufelskreis ausbrechen und ins Leben einsteigen.
- Evangelium nach Matthäus: Ein gewaltiges Erdbeben, ein Engel und gläubige Frauen sind nötig, um dieser Botschaft von der Umwandlung des Todes in neues Leben einen Weg zu bahnen.

Der Ostersonntag, und jeder Sonntag, erinnert uns an dieses Wunder vom Tod zum Leben.
Christus, der Auferstandene ist nicht mehr der irdische Jesus, er hat eine andere Qualität, eine neue Dimension. Maria Magdalena wird von Jesus zugemutet, eine Wandlung durchzumachen, um das zu begreifen: Auch jedes kleine Sterben in unserem Leben, jede Hingabe, jedes echte Dienen lässt uns hineinwachsen in eine neue Dimension des Lebens, jetzt schon hier in diesem Leben.

Der Ostermontag zeigt, wie schwer diese Botschaft zu begreifen ist. Die Jünger verstehen zunächst nichts. Die Angst lässt sie davonlaufen, das leere Grab verwirrt sie. Erst im Gespräch mit dem scheinbar Fremden, erst im Brotbrechen, diesem typischen Zeichen für Jesus, erkennen sie ihn als Lebendigen.

Dieses Geheimnis vom Tod zum Leben wird auch im Lied aufgezeigt:
Lied: GL 183 Wer leben will wie Gott auf dieser Erde ...


Offensein, Empfangen, Beschenkt-werden, Feiern – und wieder hergeben, freigeben, loslassen.
Ein ewiger Kreislauf wenn Leben gelingen soll.

Gedanken zum Karfreitag

Mit dem Karfreitag tun sich heute so manche Leute ziemlich schwer. Für viele ist dies ein „dunkler Feiertag“. Und as gibt es da überhaupt zu feiern? Das Kreuz, eine Kreuzigung, das Leiden, die Schmerzen, die Leidensgeschichte: Kann man so was überhaupt feiern? Von Leidensgeschichten hören wir doch jeden Tag genug, sei es in der eigenen Familie, in der Nachbarschaft, im Dorf, in der Stadt, in der Straße und in den Nachrichten: Wieder ein Unglück mit vielen Toten: Ein Erdrutsch, ein Tornado, ein Vulkanausbruch, ein Grubenunglück, eine Massenkarambulage oder ein feiger Mord: Todesnachrichten und Leidensgeschichten ohne Ende. Das reicht doch. Warum dann zusätzlich noch einen eigenen „dunklen Feiertag“? Warum noch einen extra Feiertag zum Tod eines Mannes, den man vor etwa 2000 Jahren hingerichtet hat? Ist das nur für Christen wichtig?
Aus christlicher Sicht ist der Feiertag Karfreitag für alle Menschen wichtig. Aber warum?
Dieser dunkle Feiertag ist der Tag, an dem wir Gottes abgrundtiefe Solidarität mit uns Menschen feiern, allen voran Gottes Mitleiden mit allen Leidenden, Geschundenen, Geschlagenen und Verwundeten dieser Erde. Jesus, der Gottessohn lässt sich am Ende seines Lebens nicht mit einem goldenen Wagen oder auf den Händen einer Heerschar von Engeln in den Himmel tragen. Nicht einmal vor dem Kreuz flieht er, auch nicht vor dem Leiden und vor dem Tod. Er nimmt ihn an. Er steigt hinein ins Dunkel, mitten hinein in die Todesangst und mitten hinein in menschliche Abgründe. Dort hält er aus, scheut nicht das dunkelste Dunkel und wird zum „heruntergekommenen Gott“.
Aber warum tut er das? Ich denke, es sind 3 Gründe: Der erste wurde schon genannt. Es ist Gottes Solidarität mit allen Leidenden und Sterbenden dieser Erde, auch mit denen, die millionenfach in den KZ s der Nazis und in den Gulags der Kommunisten brutal ermordet wurden. Der zweite Grund ist die Tatsache, dass es Gott das Herz umdreht, wenn Menschen Schlimmes tun und Schuld auf sich laden. Wenn es beim Propheten Jesaja heißt: „Er, der Knecht Gottes, wurde durchbohrt wegen unserer Sünden. All unsere Schuld hat er auf sich geladen“, dann ist für uns Jesus dieser Gottesknecht. Er hängt am Kreuz, um den „Störfall der Sünde“ wieder gut zu machen. Deshalb ist für Christen das Kreuz, auch in einem Klassenzimmer oder Gerichtssaal, nichts Störendes oder Niederdrückendes, sondern etwas Heilendes, Erlösendes und Befreiendes. Der dritte Grund für den Abstieg Gottes in unser Dunkel und in unseren Tod ist die Verwandlung des „alten“ in den „neuen Menschen“. Die Ideologen und Aufklärer aller Jahrhunderte träumten von der „Schöpfung des neuen Menschen“. Die einen probierten es mit Hilfe von Wissenschaft und Technik, andere mit zweifelhaften Methoden der „Umerziehung“ oder gar mit Methoden der Gewalt. Demgegenüber setzt Jesus auf die Schaffung des neuen Menschen durch Gewaltlosigkeit, Liebe und durch die Annahme der Erlösung. Ich denke, wer sich auf diesen Weg einläst, für den ist der Karfreitag kein „dunkler Feiertag“. Für den ist er ein Tag, wo die göttliche Liebe endgültig alles Dunkel dieser Welt durchbrochen und wo sich für die ganze Menschheit ein neuer Morgen angekündigt hat, der Ostermorgen.


Katholische Pfarrei "Zu Unserer Lieben Frau", Neumarkt / Opf., "Mariä Aufnahme in den Himmel"
Hofplan 3, 92318 Neumarkt, Tel. 09181/1692, Fax. 09181/1546, e-mail: hofkirche.nm@bistum-eichstaett.de