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Fastenzeit

Der Aschermittwoch eröffnet die Hl. 40 Tage der Fastenzeit und der Vorbereitungszeit auf Ostern.
„Kehrt um“, lautet die Predigt Johannes des Täufers. „Denn das Reich Gottes ist nahe, fügt Jesus hinzu. Und stellt den Bußruf damit auf eine ganz neue Grundlage.
Nicht Weltverneinung, keine Drohung, kein schlimmes Ereignis, keine Entscheidungsschlacht ist angesagt, das dass Sammeln aller Kräfte, Verzicht, Askese und hartes Training verlangt.
Eher von einem Fest spricht Jesus, von Erlösung, Befreiung. Eine frohe Botschaft will Jesus damit unter die Leute bringen. Innehalten, Rast machen, sich neu ausrichten sollen die Leute, weil ein großartiges, wichtiges, entscheidendes Ereignis sich ankündigt. Vorfreude soll unsere entscheidende Motivation sein.
Beim christlichen Fasten geht es nicht sosehr um ein Weniger, sondern um ein Mehr. Beim Verzichten auf Nahrung, Konsum usw. geht es mehr um ein öffnen für neue Werte.
· Um ein Zunehmen von neuen körperlichen, geistigen, seelischen und religiösen Kräften
· Um Wachheit meiner Sinne für alles Schöne in der Natur und Kunst.
· Um Sensibilität für das Gute das ich von lieben Menschen oder von Gott erfahre.
· Um Hellhörigkeit für die versteckten Nöte meiner Umgebung
· Um ein neues Sehen meiner eigenen Grenzen aber auch meiner neuen Möglichkeiten.
· Um Erkenntnis dessen was mir wirklich guttut und Freude bereitet
· Um einen neuen klaren Blick für die Verirrungen und Verwirrungen der Welt
· Um Klarheit und Wahrheit des Herzens.

Dazu braucht es die Stille, das Zu-sich-selber kommen und das Gebet.
Es braucht da und dort auch ein Stück Einsamkeit, Zurückgezogenheit.
Nehmen wir uns Zeit für eine der vielen geistlichen Angebote, suchen wir das für uns geeignete aus, damit wir an Ostern ein Stück Erlösung, Auferstehung Ostern feiern können

Raum der Stille 2007 - "Ich bin es mir wert"

Ich bin es mir wert,

mein Glück zu suchen
meine Sehnsucht zuzulassen

dass ich mich finde
nach dem Sinn meines Lebens frage
nach Werten im Leben frage

meine Gefühle zu kennen
in Beziehung zu leben
Gemeinschaft zu lernen

mir Gedanken zu machen
meine Fähigkeiten zu entdecken und zu leben
mich anzustrengen
mein Leben zu meistern

meine Grenzen zu erkennen und zu achten
durch Erfahrung zu lernen und dadurch reifer zu werden
mich dem Leben zu stellen
mich meiner Angst zu stellen

mein Leben in die Hand zu nehmen


1. Abend (28.02.2007): Klugheit

Katechese zur Kardinaltugend der KLUGHEIT

Klugheit, das ist nicht Gerissenheit, Raffiniertheit oder ein hohes Maß an geistiger Begabung des Menschen. Die Klugheit ehrt das rechte Maß, die Gerechtigkeit und die Tapferkeit. Angesichts des Chaos in der Welt und der Sündhaftigkeit des Menschen fordert Jesus von seinen Jüngern: Seid klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben. Jesus geht es also um eine realistische Sicht der Situation und der Dinge. Er meint damit nicht listige Verschlagenheit oder blinde Vertrauensseligkeit. Es geht ihm vielmehr um Besonnenheit und lautere Geradheit die den Jüngern den Weg zu den Herzen der Menschen und zum Herzen Gottes öffnen kann. Jesus veranschaulicht diese Haltung mit dem Gleichnis vom treuen Knecht und von den klugen Jungfrauen, die rechtzeitig Vorsorge trafen und genügend Öl in ihren Krügen mitnahmen.
Halten wir also fest: Die Klugheit befähigt uns dazu, in der konkreten Situation das jeweils Vernünftige und sittlich Richtige zu tun und dementsprechend auch zu entscheiden. Diese Tugend orientiert sich an der Wirklichkeit und an den tatsächlichen Gegebenheiten, an der Realität. Klugheit mutet dem Menschen Eigenverantwortung und freie Entscheidung zu. Sie bewahrt vor Mitläufertum, Schmeichelei und Untertanengeist. Sie verlangt von uns, Hier und Jetzt zu handeln, also im rechten Augendblick und zur rechten Zeit, im Kairos zu handeln, weil sich in solchen Momenten auch der Wille Gottes zeigt. Dazu aber bedarf es des Mutes und des Wagnisses. So mahnt uns schon der Epheserbrief: „Nutzt die Zeit, den Kairos, denn die Tage sind böse. So könnt ihr begreifen, was der Wille des Herrn ist!“ Es geht also darum, die richtige Gelegenheit beim Schopfe zu packen, achtsam, aufmerksam und wirklichkeitsbezogen zu handeln. Doch die Erfahrung, das uns in solchen Momenten auch Gott begegnet, lässt sich nicht erzwingen, sondern ist ein Geschenk, eine Gnade. Allerdings wird uns dies oft erst im Nachhinein bewusst, wie z.B. bei den Emmausjüngern. Sie erkennen zunächst nicht den Kairos. Erst im Nachhinein, nach dem Brechen des Brotes, als Jesus entschwindet, da gehen ihnen die Augen auf.

Besinnung 

Wir haben als Symbol der Klugheit den Spiegel gewählt. Warum den Spiegel?
Wenn ich in den Spiegel schaue sehe ich mich. Ich sehe mich wie ich ausschaue.

Der Spiegel der Klugheit ist die Selbsterkenntnis. Klug werde ich nur, wenn ich immer mehr erkenne wer ich bin.
Wer ich bin, vor mir, vor Gott.
Ich bin ich. Einmalig, von Gott geschaffen und geliebt.
Als sein Kind. Von Gott gewollt als ein Du, als ein Gegenüber, das er anspricht.

Klug werde ich, je mehr ich mich selbst erkenne und annehme mit meinen Begabungen aber auch mit meinen Grenzen.
Ich darf mich nicht mit anderen vergleichen. Ich soll damit einverstanden sein, der zu sein, der ich bin. Einverstanden, die Eigenschaften zu haben, die mir geschenkt wurden. Einverstanden, in den Grenzen zu stehen, die mir gezogen sind.

Nur von der Annahme meiner Selbst führt der Weg in die wirkliche Zukunft. Denn als Mensch zu wachsen, bedeutet nicht, aus sich hinauszuwollen, sondern zu reifen, weise zu werden, klug zu handeln.

Fragen:

  • Was bedeutet mir die Klugheit?
  • Finde ich sie erstrebenswert für mein Leben?
  • Wie weit kenne ich mich selber?
  • Bin ich offen, meine Motive für mein Handeln besser kennen zu lernen?
  • Habe ich eine eigene Meinung oder sage ich nach, was die anderen, die Medien, die Mehrheit sagen?
  • Wie bilde ich mir meine eigene Meinung?
  • Wie frei bin ich in meinen Entscheidungen?
  • Wonach richte ich mich in meinen Entscheidungen?
    nach schnellem Erfolg, schnellem Gewinn, was andere von mir erwarten?
    oder: überlege ich weitschauend
    ob es sinnvoll ist, ob es auch gut ist für meine Familie, die Mitmenschen, die Umwelt?
  • Höre ich dabei auf mein Herz?
  • Frage ich nach Gott?
  • Orientiere ich mich am Wort Gottes?
  • Übernehme ich Verantwortung für mein Leben, das mir anvertraut ist?
    Familie, Arbeit, Umwelt, ... ?
  • Gehe ich verantwortlich um mit meiner Freizeit, Gesundheit, meinen Besitz?
  • Wie ehrlich, lauter bin ich?
  • Können sich andere auf mich verlassen?
  • Wo liegen die Prioritäten in meinem Leben?
  • Was ist mir wichtig?

Worte zur Klugheit aus dem Buch der Sprichwörter

  • 8,12 Ich die Weisheit, verweile bei der Klugheit, ich entdecke Erkenntnis und guten Rat.
  • 7,4 Sag zur Weisheit: Du bist meine Schwester und nenne die Klugheit deine Freundin!
  • 1,5 der Verständige lerne kluge Führung
  • 3,5 Bau nicht auf eigene Klugheit.
  • 10,5 Wer im Sommer sammelt, ist ein kluger Mensch
  • 10,19 wer seine Lippen zügelt, ist klug.
  • 11,12 doch ein kluger Mensch schweigt.
  • 12,8 Nach dem Maß seiner Klugheit wird ein jeder gelobt
  • 12,23 Ein kluger Mensch verbirgt sein Wissen
  • 13,10 doch wer sich beraten lässt, der ist klug.
  • 13,16 Der Kluge tut alles mit Überlegung
  • 14,8 Die Weisheit des Klugen gibt ihm Einsicht in seinen Weg
  • 14,15 der Kluge achtet auf seinen Schritt.
  • 14,18 die Klugen krönen sich mit Erkenntnis.
  • 14,24 Die Krone der Weisen ist ihre Klugheit
  • 14,29 Der Langmütige ist immer der Klügere
  • 15,5 wer auf Zurechtweisung achtet, ist klug.
  • 15,24 Einen Lebenspfad zur Höhe gibt es für den Klugen
  • 16,23 Das Herz des Weisen macht seinen Mund klug
  • 7,7 Daher betete ich, und es wurde mir Klugheit gegeben
  • 8,18 Als ich dies bei mir überlegte, dass stete Gemeinschaft mit der Weisheit Klugheit bringt, da ging ich auf die Suche nach ihr
  • 8,21 und schon hier war es die Klugheit, die mich erkennen ließ, wessen Gnadengeschenk sie ist.
  • 6,32 du wirst klug, wenn du dein Herz darauf richtest.


2. Abend (7.3.2007): Gerechtigkeit

Katechese zur Kardinaltugend der GERECHTIGKEIT

Heute, beim 2. Abend „Raum der Stille“ denken wir nach über die Kardinaltugend der „Gerechtigkeit“.
„Wer wird schon sich oder dem andern oder einer Sache wirklich gerecht“, so sagen wir?
Das mit der Gerechtigkeit ist ja gar nicht so einfach. Das wissen am besten Eltern, die mehreren Kindern gerecht werden sollen,
ohne dass jemand benachteiligt wird. Denn wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen, dann sind nicht bloß Kinder, sondern wir alle schnell beleidigt oder wir werden aggressiv. Man spricht von Verteilungsgerechtigkeit, also davon, dass jeder vom gemeinsamen Kuchen ein möglichst großes Stück bekommen soll. Aber da hackt es schon, wenn man frägt: Wem gehört der Kuchen, wer hat
ihn gebacken, wer hat sich die Arbeit gemacht und wem gehört dann das größte Stück ?
Es geht also bei der Gerechtigkeit um das Nehmen und Geben. Deshalb propagieren manche die Tauschgerechtigkeit. Diese beruht auf der Gleichwertigkeit der Güter, dass man für Gleiches Gleichwertiges bekommt. Man spricht auch von der Generationengerechtigkeit. Die Generation der Eltern und Großeltern, die einst den Nachwuchs herangezogen hat, hat ein Recht darauf, bei Alter,Rente und Krankheit von den Jungen ausgehalten zu werden. Der hl. Thomas umschreibt den Begriff der Gerechtigkeit so:

„Gerechtigkeit ist die Haltung der Achtung vor der Würde seiner selbst und seiner Mitmenschen. Diese Haltung wendet sich sowohl gegen das Unrecht tun wie das Unrecht erleiden“. Eine solche Haltung der Gerechtigkeit muß zunächst die Grundlage eines
jeden Staates sein, denn seine Rechtsordnung kann nur auf dem Gebiet der sozialen Gerechtigkeit aufgebaut sein, sonst ist es ein Unrechtsstaat. Diese Haltung gebührt aber auch jedem persönlich. Persönlich gerecht zu sein bedeutet aber nicht, dass wir immer jedem das Gleiche geben müssen, wie z. B. Eltern den Kindern, sondern dass jeder das bekommt, was er unbedingt zum Leben braucht. Da muß der Schwächere mehr bekommen als der Stärkere. Es gilt zwar auch: Die Leistung eines Starken muß anerkannt und belohnt werden. Aber aus Gründen der Barmherzigkeit und Liebe kommt aus christlicher Sicht zuerst der Schächere und das Einstehen der Starken für die Schwachen nach dem Prinzip: „Jedem das, was er braucht, jedem das Seine!“
So ist Gerechtigkeit im Zusammenleben der Menschen in Staat, Kirche, Gesellschaft und Familie eine ganz hervorragende Tugend, durchaus eine Kardinaltugend, aber die Liebe übersteigt noch die Gerechtigkeit.

Besinnung

Wir haben den Spiegel als Symbol für die 4 Kardinaltugenden gewählt.
Wenn ich den Spiegel zur Hand nehme und hineinschaue, sehe ich mich.
Aber bin ich das wirklich?
Je nach dem wie ich den Spiegel halte oder drehe sehe ich mich anders.
Vielleicht sehe ich mich verzerrt.
Ist es nicht oft auch so mit der Gerechtigkeit?
Ich sehe einen Menschen oder einen Sachverhalt von meinem Standpunkt aus. Und der kann sich ändern.
Und ich beurteile eine Sache bei mir oft anders als beim andern.
Es ist schon schwer, mir selbst gerecht zu werden.
Je besser ich mich kenne, mit meinen Möglichkeiten und meinen Grenzen, kann ich beurteilen, was für mich gut und richtig ist.
Ich muss den anderen sehr gut kennen um zu wissen was für ihn richtig ist, um ihm gerecht zu werden.
Ganz werde ich mir und den anderen nie gerecht, weil ich mich und den anderen nie ganz kenne.
Nur Gott kennt mich ganz, er überblickt mein ganzes Leben.
Gott hat jeden Menschen einmalig geschaffen und er möchte, dass wir diese Einmaligkeit entfalten und leben.
Ich bin einmalig und du bist einmalig.
Jeder Mensch ist Original und jeder Mensch hat seine einmalige Lebensgeschichte.

Fragen:

  • Weiß ich ,was für mich gut und richtig ist ?
  • Achte, wertschätze ich den anderen in seiner Eigenständigkeit und Einmaligkeit oder möchte ich ihn nach meinem Willen formen?
  • Habe ich Achtung vor mir selbst?
  • Achte ich die Würde meiner Mitmenschen, der Kinder, alten Menschen, der mir Fremden?
  • Achte ich die geschaffenen Dinge, Tiere, die Schöpfung nach ihrem je eigenen Wert?

Worte zur Gerechtigkeit aus de Heiligen Schrift

  • Spr 4,18 Doch der Pfad der Gerechten ist wie das Licht am Morgen
  • 10,31 Der Mund des Gerechten bringt Weisheit hervor
  • 11,5 Dem Lauteren ebnet seine Gerechtigkeit den Weg
  • 11,23 Das Begehren der Gerechten führt zu vollem Glück
  • 12,3 Wer unrecht tut, hat keinen Bestand, doch die Wurzel der Gerechten sitzt fest.
  • 12,7 das Haus der Gerechten hat Bestand.
  • 12,28 Der Pfad der Gerechtigkeit führt zum Leben
  • 13,9 Das Licht der Gerechten strahlt auf
  • 14,32 der Gerechte findet Zuflucht in seiner Redlichkeit.
  • 14,34 Gerechtigkeit erhöht ein Volk.
  • 21,26 der Gerechte gibt, ohne zu geizen.
  • 28,12 Haben Gerechte die Oberhand, gibt es glanzvolle Zeiten
  • 29,7 Der Gerechte hat Verständnis für den Rechtsstreit der Armen
  • 1,15 denn die Gerechtigkeit ist unsterblich.
  • 4,13 Früh vollendet, hat der Gerechte doch ein volles Leben gehabt.
  • 5,15 Die Gerechten aber leben in Ewigkeit
  • 9,3 Er (der Mensch) soll die Welt in Heiligkeit und Gerechtigkeit leiten
  • Sir 7,5 Halte dich nicht für gerecht vor Gott ...!
  • 16,13 der Hoffnung des Gerechten setzt Gott kein Ende.
  • 18,1 der Herr allein erweist sich als gerecht.
  • 27,8 Strebst du nach Gerechtigkeit, so erlangst du sie, wie ein Prachtgewand kannst du sie anlegen.
  • Röm 10 - Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, wird Gerechtigkeit ... und Heil erlangen.


3. Abend (14.3.2007): Tapferkeit

Katechese zur Kardinaltugend der TAPFERKEIT

Die Tapferkeit ist zwar nicht die erste und wichtigste aller Kardinaltugenden, aber sie die notwendigste.
Aber was ist Tapferkeit und wann bin ich tapfer oder feige ? Oft lassen wir uns von dem leiten, was Tradition, Brauchtum und Konvention ist, also von dem, was man tut oder was alle tun. Tapferkeit aber ist, dass wir nicht dem Zwang einer Gruppe folgen, sondern unserem Gewissen. Denn das Gewissen sagt mir, was hier und jetzt oder ganz spontan zu tun ist.
Dabei ist es wichtig, dass wir bei allem Mut und bei aller Tapferkeit Gefahren richtig einschätzen uns uns nicht tollkühn in eine Sache oder Aufgabe hineinstürzen. Tapferkeit ist eben nicht Tollkühnheit, sondern das Bewußtsein: da steht jetzt ein höhrer oder ganz hoher Wert auf dem Spiel, ich kann nicht anders, jetzt muß ich handeln, z. B. Da ist jemand am Ertrinken und ich weiß, auch wenn ich mich dabei erkälte, ich muß ins Wasser springen, um Leben zu retten. Dabei ist Tapferkeit nicht frei von Angst, aber Angst kann durch Tapferkeit überwunden werden. Tapferkeit ist vor allem auch deshalb notwendig, weil das Leben selbst ein Abenteuer und ein Risiko ist und diesen Mut zum Risiko fordert das Leben von uns jeden Tag. So ist Tapferkeit so etwas wie der tägliche Kampf gegen die eigene Schwerkraft und Trägheit, gegen die eigene Ich-zentrierung und Selbst-vernarrheit. Tapferkeit spiegelt sich im Wort Jesu: „Wer sein Leben gewinnen will, wird es verlieren, wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es bewahren bis zum ewigen Leben". Tapferkeit zielt also auf alles, was mehr Leben ermöglicht oder noch genauer: Tapferkeit zielt auf das innere Wachstums unseres Daseins und wendet sich gegen Stillstand und Mittelmäßigkeit. Aber oft kommt da in uns die Schwellenangst hoch, den ersten Schritt zu tun, es ist die Angst vor der Schwelle, hinter der das Leben auf mich wartet. Aber diese Angst kann durch Einüben überwunden werden. Dennoch wird in der Bibel Tapferkeit nicht als menschliche Leistung, sondern als Gnade, als Gottes Kraft in menschlicher Schwachheit verstanden und unter die Gaben des hl. Geistes gezählt.
Zusammenfassend gesagt: Alles Leben zielt auf das Gute, weil aber das Gute sich nicht von selbst durchsetzt, deshalb bedarf es der Tapferkeit und des Mutes. Tapferkeit aber haben wir nicht auf Vorrat, sie muß täglich neu eingeübt werden und je mehr wir uns in ihr üben, umso größer wird unser Mut und unsere Zivilcourage.

Meditation

Gegen den Trend leben, gegen den Strom schwimmen, gegen meine eigene Trägheit aufstehen, es ist gar nicht so einfach. Zu sehr zieht die Schwerkraft uns nach unten, zur Masse. Heute bewundern wir die Tapferkeit der Menschen, die in der Nazizeit den Mut hatten, Widerstand zu leisten; die Juden versteckten und ihnen so das Leben retteten. Einen Stasimann im Film „das Leben der anderen“ der sich im Unrechtsstaat DDR von der Liebe zweier Menschen berühren lässt, umdenkt und seine Karriere und Freiheit riskiert und falsche Berichte schreibt, um einen Schriftsteller zu retten.
Aber ist heute bei uns, in einem Rechtsstaat, die Tapferkeit noch von Bedeutung?
Jeder kann doch leben wie er will, keiner wird gehindert?
Und doch gibt es in unserer Welt, in unserer Gesellschaft, Menschen, Situationen, die meine Achtsamkeit, mein Hinschauen, mein klares Wort, meinen Einsatz, meine Zivilcourage brauchen.
Ungeborene Familien mit Kindern Behinderte alte Menschen Einsame Sterbende Flüchtlinge Arbeitslose Außenseiter ...

Aber dieses Hinschauen und Handeln kostet Mühe, Anstrengung, Überwindung, ja Mut, Tapferkeit. Zu schnell verweisen wir auf Organisationen, die dafür zuständig sind, auf andere, die das besser können. Wir haben Angst, uns einzumischen.
Aber es gibt auf jedem Gebiet menschlichen Wachsens eine Schwelle, unter der zu bleiben Stillstand und Mittelmäßigkeit bedeutet. Dabei bräuchte es, um diese Schwelle zu überschreiten, nur wenig zusätzliche Mühe. Diese scheint allerdings riesengroß, solange man den Mut zu kleinen Schritten nicht aufbringt.
Diese Schwelle kann ein wirkliches Hindernis sein. Nicht selten aber ist diese „Schwelle“ nur eine vorgestellte: Ich stelle mir vor, dass Schwierigkeiten auftreten oder andere Menschen nachteilig über mich reden. Ob wirkliche Schwelle oder nur vorgestellte, es zeigt sich, wie sehr die Tugend der Übung und der Gewohnheit bedarf. Ich werde nicht durch Nachdenken oder Diskutieren tapfer, sondern indem ich es tue. Und je öfter ich eine gute Tat vollbringe, umso selbstverständlicher wird sie, es wird eine Haltung.

Etwas ist aber nicht darum wertvoll und tugendhaft, weil es schwer fällt, sondern weil es gut ist, weil diese oder jene Haltung meinem innersten Wesen entspricht. Aber braucht es heute nicht viel Mut, auch in meinem persönlichen Entscheidungen, das was ich für richtig erkannt habe auch zu tun:
· eine Beziehung, eine Ehe auf lebenslang einzugehen?
· mich auf ein Kind einlassen und meine Karriere aufgeben?
· einen geistlichen Beruf wählen, wo alle mir abraten?
· einer Krankheit ins Auge zu sehen?
· mein Alter und Sterben annehmen?
· Mein Geld nicht auf Wucher anlegen?
· ...

Tapferkeit ist eine Grundhaltung. Diese äußert sich in der Bereitschaft, für höhere Werte oder für andere Menschen Gefahren und Opfer auf mich zu nehmen. Das, was ich als richtig und gut erkannt habe, auch zu tun.

Aber letztlich ist Tapferkeit nicht nur menschliche Leistung, sondern Gnade. Als Christ darf ich auf die Hilfe und Kraft Gottes vertrauen. Der Heilige Geist will mir Kraft und Mut geben, wo ich unsicher und schwach bin. Er hilft unserer Schwachheit auf.

Fragen:

  • Wenn ich heute in meinen Spiegel schaue und mich genauer anschaue, was entdecke ich an mir. Wer bin ich? Wie bin ich?
  • Nehme ich mein Leben selbst in die Hand oder lasse ich mich vom Trend, vom Konsum, von den Medien, von dem was alle tun, bestimmen?
  • Welche täglichen Hindernisse stellen sich mir in den Weg ?
    Welchen Mut benötige ich, sie zu überwinden, damit mein Leben gelingt?
  • Was steht jetzt für mich an und was hindert mich, es in Angriff zu nehmen? Ist es Angst,
    · dass mich mein Mut verlässt?
    · dass ich mein Image verliere?
  • Bilde ich mir meine eigene Meinung und folge ich folge ich meinem Gewissen?
  • Lasse ich mich von Unrechtssituationen anrühren, handle ich oder schaue ich weg?
  • Wo müsste ich klarer zu meiner Überzeugung stehen?
  • Muss ich alles selber machen oder vertraue ich Gott, dem Heiligen Geist, dass er mir Kraft und Mut gibt, mein Leben verantwortlich zu leben?


4. Abend (21.3.2007): Mäßigung

Katechese zur Kardinaltugend der MÄSZIGUNG

Dem Menschen ist im Unterschied zur Natur die innere Ordnung seines Daseins nicht vorgegeben.
Er muß das innere Maß und die innere Balance seines Daseins erst suchen und selber bestimmen. Dabei muß er lernen, seine eigenen Antriebe und Leidenschaften im Zaum zu halten und in vielen Dingen Verzicht zu leisten. Es geht also darum, dass der Mensch das rechte Maß seiner Lebensordnung selber findet und sich selber setzt. Die Sicherung durch Instinkte, die dem Tier gegeben sind, hat der Mensch nicht. Kein Tier hat z.B. soviel Lust am Quälen und Töten eines andern wie der Mensch. In keinem Tier steckt ein so großer Besitztrieb wie im Menschen, dessen Habenwollen oft ohne Maß und Grenzen ist. Umso mehr braucht der Mensch die Annahme einer freigewählten Ordnung und die Selbstbegrenzung.
Es geht hier bei der Tugend des Maßes oder der Mäßigung um den Gedanken des menschengerechten Maßes. Dieser Weg gleicht oft eher einer gefährlichen Gratwanderung als dass er so einfach und selbstverständlich wäre. Diese hohe Kunst der Selbstbegrenzung besteht in einem Wort der Dichterin Ingeborg Bachmann darin, „dass alles nicht alles sein kann“. Denn jede Erfüllung, die der Mensch erfährt, weckt oft eine immer neue Sehnsucht, die Sehnsucht nach „Mehr“ und nach „Allem“, was das Leben bietet.
So ist es das Schicksal von uns Menschen, ein ewiger „Grenzgänger“ zu sein, immer neu um unseres Glückes willen Verzicht zu leisten und sich selbst das menschengerechte Maß zu setzen. Dabei sind wir mit dem Problem konfrontiert, nicht dass es Grenzen geben muß, sondern wo die Grenzen verlaufen müssen. Das gilt aber nicht allein für den persönlichen und privaten Bereich oder in der Erziehung der Kinder, sondern auch im öffentlichen Bereich.
Die Wiederentdeckung der alten Tugend des rechten Maßes wird immer notwendiger im Konsumverhalten, in der Bewahrung der Schöpfung, im Klima- und im Umweltschutz. Es ist die Frage: Wie gehe ich um mit meinen Resourcen oder mit denen unserer gemeinsamen Erde ? Wie gehe ich um mit Energie, Sport, Freizeitverhalten, Verkehrsmitteln, Müllvermeidung und Vieles andere mehr ? Es geht darum, wieder das Staunen und die Ehrfurcht zu lernen vor den Gaben der Natur, die letztlich Gaben des Schöpfers sind. Diese Gaben darf natürlich auch jeder genießen, aber der größte Genuß besteht in der Gabe der Selbstbegrenzung und Selbstbeschränkung.
Der berühmte reiche Jüngling, von dem einmal Jesus erzählt, konnte dieses Maß nicht finden und wollte deshalb Jesus nicht nachfolgen. Aber bei uns würde sich wenigstens der Versuch lohnen.

Meditation

Mäßigung Maßhalten, die Tugend der inneren Ordnung

Willst du leben, musst du lernen, das rechte Maß zu finden. Das rechte Maß hat seine Wurzel in deiner inneren Balance.
In der benediktinischen Ordensregel wird das gute Maß als die Mutter aller Tugenden bezeichnet.
Eine maßvoll, ausgewogene Lebensweise scheint in unserer Gesellschaft außer Übung gekommen zu sein. Man muss regelrecht auf die Suche gehen, um das gute Maß zu finden.
Unter den zehn Geboten haben zwei mit Gier zu tun: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut und du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau. Wenn jemand mit Gier und Maßlosigkeit etwas besitzen will, das ihm nicht gehört, dann gerät er aus der Balance, aus dem Gleichgewicht.
Dabei kann die Maßlosigkeit viele Formen haben – im Denken, im Handeln, im Verhalten. Sogar die Neugier gehört dazu, weil sie in die Intimität eines anderen eindringt.

Wer in seinem Leben das gute Maß findet, wird glücklich – trotz aller Höhen und Tiefen.
Das Gegenteil von Maßlosigkeit ist die „discretio“, die kluge Unterscheidung.
Es gibt wichtige Zwillingstugenden, die wir heute näher betrachten möchten.
Wer in seinem Leben das rechte Maß sucht, bewegt sich zwischen zwei Polen. Dabei stellt jeder der einzelnen Pole einen Wert dar – aber nur zusammen, im rechten Maß und der rechten Mitte finden wir innere Ruhe und tiefen Frieden. Diese Balance um die rechte Mitte ist kein statisches Gleichgewicht, sondern ein dynamischer Prozess, der sich immer wieder erneuern muss. Die Erneuerung geschieht durch dein Leben, und das Leben selbst ist der Lehrmeister.

1. Schweigen und Reden
Schweigen ist eine große Tugend. Es bringt Segen, wenn wir es richtig einsetzen. Wenn jemand jedoch schweigt, wo er reden sollte, um jemanden Gutes zu tun oder ihn aus einer Gefahr zu retten, dann wird die Tugend des Schweigens zu einem erstarten, manchmal tödlichen Verstummen.
Ähnlich ist es mit dem Reden. Wer zur falschen Zeit und am falschen Ort redet, macht aus der Tugend des Redens ein Schwatzen, ein zerstörerisches Gerede.

2. Gehorsam und Autorität
Es ist schwer, das rechte Hören zu lernen und zu erkennen, was im Leben von mir verlangt wird. Ich muss dies aber prüfen an den Überzeugungen, die ich habe.
Wer äußerem Druck und nicht seien innersten Überzeugungen, seinem Gewissen gehorcht, wer Angst hat, feige ist und sich anpasst, wird zum Sklaven.
Wenn echte Autorität mit Klarheit und Einfühlungsvermögen eingesetzt wird, besteht nicht die Gefahr, lieblos, selbstgerecht oder selbstsüchtig zu werden oder den eigenen Willen einem anderen aufzudringen. Denn nur in dem Maß, in dem man einen Menschen seine Selbstbestimmung zugesteht, sie sogar fördert, darf man Autorität ausüben.

3. Demut und Selbstvertrauen
Das demütige Sich-Hineinbegeben in den Willen Gottes bedeutet nicht, sich sklavisch zu unterwerfen. Gott hat uns die Freiheit geschenkt – und Demut bedeutet, dass wir zu noch größerer Freiheit kommen können. Wenn wir uns hörig unterwerfen und uns zu Sklaven machen, dann wird aus der Demut ein falsches Buckeln, das uns, andere und Gott verletzt. Die Zwillingstugend der Demut ist das Vertrauen – nicht zum eigenen Ego, sondern zu Gott, der in uns wohnt und uns Leben schenkt. Wir sollen voller Selbstvertauen im Leben stehen, aber demütig und ohne Falschheit.
4. Entschlussfreudig und Besonnenheit
Schnell und ohne Zögern aus vielen Möglichkeiten die beste auszuwählen, geht nur im Vertrauen, dass alles, was ich tue, im Willen Gottes geborgen ist. Das gibt die Sicherheit, die Entscheidung schnell zu treffen, aber nicht überhastet oder unüberlegt. Deshalb ist es wichtig, gleichzeitig besonnen zu bleiben, um eine Entscheidung mit der notwendigen Geduld ausreifen zu lassen. Zerstörerisch für einen selbst und für andere wird die Besonnenheit, wenn sie in Unentschlossenheit, Zögern und Hinhalten mündet.

5. Annehmen und Unterscheiden
Ein Mensch, der annehmen kann, was ihm das Leben bringt, wird Freude und Zufriedenheit finden, doch er wird auch herausgefordert und verwundet werden. Alles annehmen bedeutet, das eigene Leben in seiner Vielfältigkeit annehmen und nicht dauernd schauen, ob es anderen vielleicht besser geht.
Die Zwillingstugend zum Annehmen ist die kluge Unterscheidung: das Wahre vom Falschen, das Schlechte vom Guten, was dem Leben dient und was zum Tode führt. Es ist letztlich die Fähigkeit, zwischen dem, was von Gott kommt, und dem, was das Leben zerstört, zu unterscheiden.

6. Vorsicht und Zuversicht
Vorsicht darf nicht aus Angst oder aus Mangel an Selbstvertrauen kommen, sonst wird sie zur Feigheit. Es wird immer wieder Situationen geben, in denen Gefahren drohen, das gehört zum Leben. Wichtig ist es dann, sich dieser Gefahr voll Mut und Zuversicht zu stellen Das ist besser als den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass sich die Schwierigkeiten von selbst regeln.

7. Äußere und innere Anspruchslosigkeit
Vielleicht kennen wir Menschen, die nicht viel besaßen und doch reich waren.
Viele Menschen wollen immer mehr haben, aber dabei nimmt sie der materielle Besitz gefangen. Sie glauben: viel zu haben, sei viel wert – und wenig zu besitzen, sei nichts wert. Sich davon frei zu machen, ist ein Weg der Seele. Er beginnt damit, dass ich mit dem Gegebenen zu leben lerne. Ich kann mit Freude annehmen, was mir zur Verfügung steht - aber es gibt keinen Grund neidisch zu sein, wenn ich etwas nicht habe.

8. Freiheit und Bindung
Wenn sich jemand an einen Menschen oder an Dinge bindet, besteht die Gefahr, dass er ohne sie nicht mehr glücklich leben kann. Solche Abhängigkeiten beeinflussen mein Fühlen, Denken und Handeln. Manche Menschen wollen sich daraus lösen, indem sie ihre Beziehungen abbrechen und ohne Bindungen und ohne Verpflichtungen durchs Leben gehen. Diese Form der Ungebundenheit ist zerstörerisch und führt zur Isolation. Es ist gut, unabhängig und frei zu sein und es ist gut, treu und zuverlässig zu bleiben. Von der Partnerschaft, der Familie, dem Betrieb, in dem du arbeitest, bis zum Staat wird nichts leben und funktionieren ohne die Grundhaltung von Treue und Verlässlichkeit. Wenn die Treue fesselt, abhängig macht, dann ist sie falsch. Und wo die Bindung Freiheit und Freude schenkt, ist sie richtig.
Frage: Erlebe ich Treue, die fesselt und abhängig macht oder auch Bindung die Freiheit und Freude schenkt?

Fragen:

  • Bin ich ein Mensch, der zum viel Reden neigt und muss das Schweigen üben
    oder bin ich mehr ein schweigsamer Mensch,
    der lernen muss, mehr seine Meinung, seinen Standpunkt nach außen zu vertreten ?
  • Wie gehe ich mit Menschen um, die mir anvertraut sind, für die ich Verantwortung habe?
  • Gehe ich verantwortlich um mit meinem Besitz?
  • Bin zufrieden, mit dem was ich habe, an materiellen Güter, Erfolg, Ansehen,
    oder vergleiche ich mich mit anderen?
  • Bin ich abhängig von Menschen, Verpflichtungen, von Dingen
    oder binde ich andere Menschen zu stark an mich?
  • Wie sorgsam gehe ich mit der Schöpfung, der Umwelt, mit der Energie um?
  • Finde ich das rechte Maß in Sport, in der Freizeit aber auch in der Arbeit?
  • Wie steht es mit meiner Treue? Können sich Menschen auf mich verlassen?
  • Habe ich Mut und Selbstvertrauen traue ich Gott, dass er das Beste für mich will
  • Was ist meine Stärke? Wenn ich sie übertreibe wird sie zu meiner Schwäche.
  • Suche ich hier die Mitte, das gute Maß?

Bibelstellen aus Jesus Sirach:

  • 3:18 Je größer du bist, um so mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott
  • 3:20 Denn groß ist die Macht Gottes, und von den Demütigen wird er verherrlicht.
  • 3:23 Such nicht hartnäckig zu erfahren, was deine Kraft übersteigt. Es ist schon zu viel, was du sehen darfst.
  • 4:23 Halte zur rechten Zeit dein Wort nicht zurück, verbirg deine Weisheit nicht!
  • 4:26 Schäme dich nicht, von der Sünde umzukehren, leiste nicht trotzig Widerstand!
  • 4:29 Sei nicht prahlerisch mit deinen Worten und schlaff und matt in deinem Tun!
  • 5:1 Verlaß dich nicht auf deinen Reichtum, und sag nicht: Ich kann es mir leisten.
  • 5:10 Bleib fest bei deiner Überzeugung, eindeutig sei deine Rede.
  • 5:11 Sei schnell bereit zum Hören, aber bedächtig bei der Antwort!
  • 6:17 Wer den Herrn fürchtet, hält rechte Freundschaft, wie er selbst, so ist auch sein Freund.
  • 8:19 Öffne dein Herz nicht jedem Menschen, und wirf das Glück nicht von dir!
  • 9:14 Antworte deinem Nächsten, so gut du kannst, du selbst aber berate dich mit Weisen!
  • 10:18 Maßlosigkeit ziemt dem Menschen nicht.
    Gut ist der Reichtum, wenn keine Schuld an ihm klebt; schlimm ist die Armut, die aus Übermut entstand.
  • 14:5 Wer sich selbst nichts gönnt, wem kann der Gutes tun? Er wird seinem eigenen Glück nicht begegnen.
  • 20:7 Der Weise schweigt bis zur rechten Zeit, der Tor aber achtet nicht auf die rechte Zeit.
Vorösterlicher Bußgottesdienst 2007 -
„Gelebte Tugend - Chance zur Umkehr“



Begrüßung und Hinführung:

Gelebte Tugend, Chance zur Umkehr!“ Christ-sein
bedeutet: Unterwegs- sein. Wir sind alle unterwegs nach Ostern.Auf einem
Weg kann man straucheln oder sich verirren. In den letzten Fastenwochen
haben wir im Raum der Stille die 4 Kardinaltugenden betrachtet: Klugheit
Gerechtigkeit, Tapferkeit und das rechte Maß: Auf unserem Weg nach
Ostern sollen uns diese Tugenden heute Abend Orientierung geben.

Lasset uns beten: Herr, ich bin es mir wert, mein Glück zu suchen und mei-
ne Sehnsucht zuzulassen, damit ich mich neu finden kann. Ich bin es mir
wert, meine Gefühle, aber auch meine Launen und Leidenschaften zu ken-
nen und wieder neu in Beziehung zu leben. Hilf uns jetzt, uns unserer
Angst und unserer Schuld zu stellen, unsere Grenzen zu achten und dich
wieder neu zu suchen, der du lebst in alle Ewigkeit.


Lesung: 1 Kor 13, 9-13: „Jetzt schauen wir in einen Spiegel“

Spiegelbetrachtung:
Wenn Sie nun die Karte in die Hand nehmen und sie vor sich hin-
halten, dann erblicken Sie sich in einem Spiegel. Aber es ist kein glatter
Spiegel, sondern einer mit vielen Rissen und Brüchen. Unser Gesicht er-
scheint etwas verzerrt. Wir schauen da nicht besonders gut aus.
Ziehen sich nicht auch durch meine Leben Sprünge und Risse ?
Traue ich mir, diese dunklen Stellen anzuschauen ? Vieles in meinem
Leben ist bruchstückhaft und unvollkommen. Zu meinem Leben gehören
auch Schwächen und Fehler, Eitelkeit, Hochmut, Wichtigtuerei, Unbarm-
herzigkeit und Selbstherrlichkeit. Oft bin ich in Wahrheit nicht stark, son-
dern schwach. Ich spüre oft meine Ohnmacht mir selbst gegenüber und
gegenüber meinen Versuchungen, die mich verführbar machen. Wie in
diesem Spiegel, so gibt es in meinem Leben Risse und Sprünge, die nur
ich kenne. Wie also stehe ich da vor Gott ? Darüber denken wir jetzt
nach mit Hilfe der 4 Kardinaltugenden:



Musik: Orgel und Flöte (in etwas schräger) Moll-Tonart.

1. Mit Klugheit ist nicht Gerissenheit, Raffiniertheit oder ein hohes Maß
an Intelligenz gemeint. Die Klugheit befähigt uns vielmehr dazu, in der kon-
kreten Situation das jeweils Vernünftige und Richtige zu tun und dement-
sprechend auch zu entscheiden. Fragen wir uns:

-Wieweit kenne ich mich selbst ?
-Wonach richte ich meine Entscheidungen - nach Erfolg, Gewinn,
nach der Masse ?
-Höre ich auch auf mein Herz, frage ich auch nach Gott ?
-Gehe ich verantwortlich um mit meiner Freiheit,Gesundheit, mit
meinem Besitz ?
-Können sich andere auf mich verlassen ?

Musik: Orgel - kurz und meditativ.

2.Mit der Gerechtigkeit ist es gar nicht so einfach. Das wissen am besten
Eltern, die mehreren Kindern gerecht werden sollen. Gerechtigkeit ist die
Haltung der Achtung vor der eigenen Würde und der der anderen. Diese
Haltung wendet sich sowohl gegen das Unrecht tun wie das Unrecht er-
leiden.

-Weiß ich, was für mich gut und richtig ist ?
-Achte ich mich selbst und wie gehe ich um mit der Würde und Eigenständigkeit meiner
Mitmenschen ?
-Habe ich Mut, mich einzusetzen, wenn andere Unrecht erleiden ?
-Was tue ich für die soziale Gerechtigkeit bei uns und weltweit ?
-Welche Hindernisse stehen dem im Weg, wie kann ich sie beseitigen ?

Musik: Orgel und Querflöte meditativ.

3. Die Tapferkeit meint nicht Tollkühnheit, sondern das Bewußtsein: Ich
muß jetzt handeln, weil ein höherer Wert auf dem Spiel steht. Weil sich das
Gute nicht von selbst durchsetzt, braucht es die Tapferkeit.

-Habe ich den Mut, gegen die eigene Trägheit und Schwerkraft anzugehen ?
-Wenn ich in den Spiegel schaue, folge ich dem Ruf meines Gewissens ?
-Wo müßte ich klarer zu meiner Überzeugung stehen ?
-Wo müßte ich für die Sache Gottes und des Glaubens mehr tun ?

Musik: Orgel meditativ.

4. Bei der Mäßigung geht es um die innere Balance unseres Daseins, um
das rechte Maß, das unseren Trieben, Launen und Leidenschaft die rechte
Grenze setzt.

-Wo hätte schweigen statt reden und reden statt schweigen sollen ?
-Kenne ich die Grenzen meines Besitztriebs ?
-Habe ich das rechte Maß in meinen Wünschen und Gefühlen ?
-Wo übertreibe ich in meiner Arbeit, im Sport,im Essen und Trinken?
-Wie gehe ich um mit Schöpfung,Umwelt und Energie ?

Musik: Orgel und Querflöte-meditativ.

Liebe Sr. u. Br. ! Ich lade Sie ein :Wagen wir nochmals den Blick
in den Spiegel:
Die Bruchstücke unseres Spiegels sind in den Rahmen eines Kreuzes ge-
faßt. Die Spiegelscherben, die für die Brüche unseres Lebens stehen, wer-
den vom Kreuz Christi gehalten. Ich bin gehalten. Mein Leben, auch in
seinen dunklen Umrissen, ist gehalten von der unendlichen Liebe Christi.
Auch in der Gebrochenheit meiner menschlichen Existenz bin in gehal-
ten von einer ganz großen Liebe. Der schutzlose und ohnmächtige Gott
empfängt mich den Schutz- und Hilflosen am Kreuz mit seinen offenen
Armen. Eine solche Erfahrung teifen Vertrauens zu Gott macht auch der
Beter des Pslams 139:

Bitten wir nun im gemeinsamen Vater unser Gebet, dass der Herr
uns unsere Schuld vergibt, wie auch wir vergeben unseren Schuldi-
gern und dass er uns führe, behüte und beschütze in der Versuchung.
Beten wir dieses Gebet jetzt ganz bewußt und mit tiefer Hingabe:

--Vater unser und Friedensgruß --

Schlußgebet:

Gott, unser Vater , wir danken dir für diese Zusammenkunft und für deine
Nähe. Dein Sohn Jesus Christus hat sich der Sünder erbarmt und mit ihnen
Tischgemeinschaft gehalten. Bereite auch unsere Herzen für das kommen-
de Osterfest und lass uns stets neu dein Erbarmen und deine Nähe erfahren,
der du lebst in alle Ewigkeit. Amen.



Katholische Pfarrei "Zu Unserer Lieben Frau", Neumarkt / Opf., "Mariä Aufnahme in den Himmel"
Hofplan 3, 92318 Neumarkt, Tel. 09181/1692, Fax. 09181/1546, e-mail: hofkirche.nm@bistum-eichstaett.de